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Dresden – Die Schokoladen(haupt)stadt

Wir schreiben das beginnende 18. Jahrhundert, in dem bereits Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke) den Genuss von Schokolade zu schätzen wusste. Schokolade avancierte zum Modegetränk höfischer Gesellschaften. Besonders die feinen Damen zelebrierten das Kakao Ritual, trafen sich in großen, luftigen Schokoladentrinkstuben und reichten den schäumenden Trank in silbernen Kännchen und feinstem Porzellan zur Nachmittagssüßigkeit, während sich die mächtigen Herren den politischen Themen in Gesprächen zuwandten.

August der Starke beließ es nicht bei den Schokoladentrinkstuben. Er ließ spezielle Gefäße aus dem heute weltweit bekannten Meissner Porzellan herstellen. Das Motiv des Kammer- und Schokoladenmohren ist weltweit bekannt.

Ende des 19. Jahrhunderts entstand die Mehrzahl an Dresdner Schokoladen- und Süßwarenfabriken. Die Stadt entwickelte sich im Kaiserreich zu dem Hauptstandort der Branche und war ein wesentlicher Teil der Dresdner Genussmittelindustrie. Die Produkte wurden weltweit exportiert. In Dresden begünstigten mehrere Faktoren die Entstehung der Industrie: die gute Verkehrsanbindung, die Nähe zur Rübenzuckerindustrie, die Nachfrage vermögender Kunden und nicht zuletzt die Traditionen der Zuckerbäcker und Konditoren.

Die Ausdehnung der Schokoladenproduktion förderte zugleich andere Zweige, vor allem den Spezialmaschinen- und Anlagenbau. Auch die Kartonagen-, Druck- und Reklameindustrie partizipierte davon überdurchschnittlich.

Vor dem ersten Weltkrieg waren in Dresden nahezu 7.000 Menschen in der Schokoladen- und Süßwarenindustrie tätig, was mehr als einem Fünftel der Beschäftigten im gesamten Reich entsprach. 28 Fabriken verarbeiteten ca. 550 Tonnen Kakao pro Jahr. Deutschlandweit wurden pro Jahr 1.700 Tonnen verarbeitet. Allein die verarbeitete Menge unterstreicht die Position Dresdens, sich Schokoladenhauptstadt nennen zu dürfen. In keiner anderen Stadt Deutschlands gab es so eine hohe Dichte.

Eine andere Zuschreibung lässt sich von den Dresdner Spezialitäten herleiten, wie dem Tell-Apfel, den Dominosteinen oder dem Russisch Brot.

Die Dresdner Unternehmer Jordan & Timaeus haben nachweislich die erste Milchschokolade erfunden und verkauft. Gern beanspruchen die lieben Schweizer diese Erfindung für sich. Im Jahr 1839, genauer gesagt am 22. Mai 1839, inserierten Jordan & Timaeus im Dresdner Anzeiger eine “Schokolade mit Eselsmilch”. Im Jahr 1876 bot der Schweizer Daniel Peter Milchschokolade an.

Bekannte Unternehmen wie Otto Rüger mit ihrer Kultmarke HANSI, Riedel & Engelmann bekannt als Schwerter Schokolade oder Anton Reiche, Hersteller der weltbekannten Schokoladenformen, haben maßgeblich zum Erfolg einer massenfähigen Schokoladenproduktion beigetragen.

Dem Unternehmen Anton Reiche ist es zu verdanken, dass in Dresden die mit Schokolade gefüllten Weihnachtskalender erfunden wurden.

Die verschiedenen Zuordnungen zeigen, dass die Schokoladenstadt Dresden sich aus vielen Aspekten und Erfindungen zusammensetzt und auf vielfältige Traditionslinien rekurriert.

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